Die Sache mit der Tür

Himmlisches Hier + Jetzt

Das Erlebnis mit unserer damals gerade halbjährigen Katze Josy erinnert mich an etwas. Sie war auf einem Bauernhof geboren und hatte von ihrer Mutter mitbekommen, »Kümmere dich selbst um dein Überleben, egal wie die Umstände sind«. Eines Tages zeigte Josy dieses typische Ich-bin-auf-mich-Allein-gestellt-Verhalten, das auch mir nicht so ganz unbekannt war.

Die schönen, warmen Frühlingstage, an denen unsere beiden Katzen sich vor allem Frischluft um die Nase wehen liessen, waren vorbei. Ein wolkenverhangener und ziemlich kalter Tag brach an. Bandita – die ältere Katze – strich ein wenig durch die Landschaft, entschied sich aber schnell wieder für die warme Wohnung und den Schlaf in einer kuschligen Decke. Dank Katzentüre waren die beiden unabhängig von einem Türsteher.

Am Nachmittag nahm die Dunkelheit unerwartet zu und der Regen ging plötzlich in Hagel über. Erschreckt schaute ich von meinem Notebook auf – ich war völlig versunken gewesen in das Schreiben eines Abschnittes für das Buch Getragen von Gnade.

»Wo ist Josy?«

Mein Mann locker, »sie liegt vermutlich draussen auf einem Stuhl…«.

Das beruhigte mich überhaupt nicht. Er war in seine Musik vertieft und hatte von dem Hagelwetter nichts mitbekommen. Hastig stürzte ich zur Terrassentür und hatte vor lauter Hektik Mühe, sie aufzubekommen. Mit den Armen schützte ich meinen Kopf vor den niederprasselnden Hagelkörnern bis ich den überdachten Teil der Terrasse erreichte. Tatsächlich, auf dem Gartenstuhl lag Josy, kleinstmöglich zusammengerollt harrte sie aus. Ihr Körper zitterte erbärmlich. Mit ihren Pfoten verdeckte sie schützend ihre Augen. Das was ich nicht sehe, kann mir auch nicht schaden, schien sie damit zu sagen.

Du meine Güte, die Kleine, sie tat mir so leid. Schnell hob ich sie auf – dieses kleine handgrosse Knäuel – und brachte sie in die warme Wohnung, in ihr Zuhause. Dankbar schmuste sie sich in meinen Arm. Die Nähe tat ihr gut. Kurze Zeit später war sie wieder ganz die stolze Katze, neugierig, was der Tag so mit sich brachte. Als ich kurz auf der Terrasse etwas zu tun hatte, nutzte sie sofort die Gelegenheit und schlüpfte wieder ins Freie. Fröhlich durchkreuzte sie den Garten in alle Richtungen, sprang bei Unerwartetem hoch und beobachtete neugierig, was da so am Boden geschah. Irgendwann reichte es ihr und sie steuerte wieder auf das Haus zu. Kurz zeigte ich Josy noch einmal die Tür, durch die sie jederzeit rein und raus gehen konnte. Sie schien es dieses Mal begriffen zu haben, denn ein paar Tage später flüchtete sie vor etwas Bedrohlichem so schnell, dass sie fast durch die Katzentüre flog. Gleich darauf begann sie sich gelassen zu putzen. «Ich kenne jetzt die Tür in die Sicherheit, wo ich Zuhause bin…», würde sie uns wohl sagen, wenn wir sie verstehen könnten.

Die Tür ist jederzeit offen

Diese Begebenheit erinnert mich an das Verhalten von Menschen. Mancher meint, er müsse alleine den widrigen Umständen trotzen und macht sich klein, um so wenig wie möglich vom tobenden Sturm um ihn herum abzubekommen. Warum hatte die Katze die für sie bereitete Türe in das sichere Zuhause nicht genutzt? Sie war es einfach noch nicht gewohnt.

Sind alle Menschen es gewohnt, durch die für sie bereitete offene Tür zu gehen? Definitiv nicht. Aber ich bin sicher, alle sind genauso dankbar wie unsere kleine Josy, wenn jemand ihnen zeigt, hier ist dein sicherer und angenehmer Ort, dein himmlisches Zuhause. Diese einmalige Tür steht jederzeit offen durch Jesus Christus – sie ist für niemanden verschlossen. Jeden erwarten dort Geborgenheit und Liebe, egal wo er oder sie sich gerade aufhält. Dieses Wissen stärkt und gibt Sicherheit für den Alltag. Stürme ziehen vorbei, ohne Schäden zu hinterlassen. So habe ich es vor vielen Jahren erlebt. Der himmlische Vater nimmt alle, die zu ihm kommen, liebevoll in den Arm und niemand muss alleine sein, fern von seinem ewigen Zuhause. Ja, das war ein wirklich atemberaubender Moment in meinem Leben.

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